Liebe Freund:innen des Hauses der Religionen,
welche Rolle und Bedeutung haben die Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in der heutigen Zeit? wie "politisch" sollen sie sein und wie religiös soll die Politik agieren?
Diese Fragen beschäftigten jüngst auch den Niedersächsischen Landtag. Am vergangenen Donnerstag wurde dort eine Resolution beschlossen, die unter anderem die Landesregierung dazu auffordert, „den interreligiösen Dialog und die Ökumene in ganz Niedersachsen zu stärken und zu prüfen, ob Orte wie das Haus der Religionen in Hannover als zentrale und landesweite Anlaufstelle zu fördern sind, und in Absprache mit den Kommunalen Spitzenverbänden anzustreben, solche Orte auch in anderen Regionen des Landes entstehen zu lassen“.
Das Haus der Religionen dankt dem Landtag für diese klare Positionierung zur Stärkung des interkonfessionellen und interreligiösen Dialogs und ist gern bereit, die Bemühungen des Landtags und der Landesregierung zum Aufbau interreligiöser Strukturen mit aller Kraft zu unterstützen. Hier können Sie die Pressemitteilung und hier den Antrag im Volltext nachlesen.
Auch während des Kirchentags werden wir diesen Fragen in vielfältiger Weise bei unseren Führungen, Workshops und Abendveranstaltungen nachgehen.
Immer mehr Menschen stellen sie sich vor allem mit sorgenvollem Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung. Immer öfter werden Parallelen zu den Anfängen der NS-Zeit gezogen. Wenn allerdings von Religion und Nationalsozialismus die Rede ist, dann sind oft genug ausschließlich die beiden großen Kirchen im Blick, die auf vielfältige Weise mit dem Regime interagieren und ihren Kurs im NS-Staat abstecken mussten. Widerstand und Kollaboration lagen oft nah beieinander.
Doch auch in den 1930er Jahren gab es in Deutschland bereits andere religiöse und weltanschauliche Gemeinschaften, die ebenso vor der Aufgabe standen, zu entscheiden, ob sie den Weg des vermeintlich "kleineren Übels" gehen oder ihre moralische Integrität über den Selbstschutz stellen sollten.
Heute Abend, am 3. April, werden wir ab 19:00 Uhr gemeinsam mit Vertretern des Humanismus, der Bahai, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und anderen ins Gespräch gehen und fragen, wie sie ihre eigene Rolle in NS-Staat beurteilen und welche Schlüsse sich daraus für heute ziehen lassen. War der Selbstschutz den Preis wert? Wie war Widerstand möglich und wo besonders nötig? Wo kann es einen Weg geben zwischen Treue zu den eigenen Überzeugungen, konstruktiver Mitgestaltung der Gesellschaft und Anbiederung?